Tausche Angst gegen Vertrauen

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Tausche Angst gegen Vertrauen

(Herzlich Willkommen – hier findest Du einen „Mit Gott am Tisch“-Text. Folgende Szene: ein großer Tisch, zwei Stühle, eine silberne Platte. Das ist das Grund-Setting. Mal ist der Tisch chaotisch, mal leer, mal ist alles liebevoll dekoriert. Die beiden Stühle sind immer für Gott und mich reserviert. Hier bin ich eingeladen, mit Gott über das zu sprechen, was mir grade auf der Seele brennt. Und auf dem silbernen Tablett darf ich jedes Mal einen Gegenstand platzieren, der symbolisch für das steht, worüber ich dringen mit Gott sprechen möchte.

Und nun fühl Du Dich herzlich eingeladen, dem Gespräch zwischen Gott und mir zu lauschen!)

Ich betrete den Raum zögerlich. Gott ist noch nicht da. Mein Blick wandert über den spärlich gedeckten Tisch: ein Glas Wasser, ein paar Cracker – sonst nichts. Ach doch, ein leeres silbernes Tablett. Hier darf ich wie immer ablegen, was ich mitgebracht habe. Diesmal ist es ein schwarzes Stück Stoff. Dann setze ich mich auf einen der beiden leeren Stühle.

Während des Wartens beginnen meine Gedanken zu kreisen. Wo Gott wohl ist? Und was er zu meinem Thema sagen wird? Es ist mir unangenehm, aber ich weiß, dass ich dringend mit ihm darüber sprechen muss. Mein Blick fällt auf das schwarze Stück Stoff, das nun auf dem silbernen Tablett liegt und das meine Angst symbolisiert. Es ist ein schwerer, fester Stoff. Ja, genau so fühlt die Angst sich an. Sie ist dicht, sie bedeckt, sie nimmt den Blick. Mit den Gedanken an die Angst kommt auch die Scham in mir hoch. Ich möchte nicht ängstlich sein. Ich möchte voller Vertrauen an Gott festhalten, meine Hoffnung auf ihn setzen – immer, ganz unabhängig der Umstände. Warum gelingt mir das bloß nicht? Ich bin so lange Christ. Ich habe schon so viel mit Gott erlebt. Ich weiß, wie er mich durch Täler getragen hat. Und kann unendliche Geschichten erzählen, in denen Gott mich versorgt und gesegnet hat. Das müsste doch reichen um verinnerlicht zu haben, wie sicher ich in ihm geborgen bin. Aber es will sich kein Frieden in mir ausbreiten.

Mein Blick hatte sich unbewusst gesenkt. Nun hebe ich ihn wieder und sehe, dass Gott plötzlich neben mir sitzt. Er muss völlig lautlos gekommen sein. Ich erschrecke ein bisschen.

Gottes Blick ruht wohlwollend auf mir.

„Ich habe Dich gar nicht bemerkt!“ sage ich.

„Das habe ich gemerkt!“ sagt Gott und schmunzelt. „Du warst ganz schön in Gedanken. Und wenn ich mir anschaue, was Du mitgebracht hast, ahne ich, dass es nicht nur schöne Gedanken waren.“

OK. Wir sind beim Thema. Ein bisschen Geplänkel wäre mir sehr recht gewesen, aber da hält Gott wohl nicht so viel von. Also lege ich die Karten auf den Tisch.

„Nein. Im Gegenteil. Mein Herz ist grade schwer, denn es ist immer wieder von Angst erfüllt.“

„Das tut mir leid. Und ich weiß darum. Sollen wir darüber sprechen?“

Sich über ein leichteres Thema auszutauschen wäre so schön, aber gleichzeitig ist es so nötig, mich mich meiner Angst zu stellen.

Gott ergreift das Wort.

„Ich sehe, wie schwer Dein Herz ist. Das Stück Stoff ist ein sehr aussagekräftiges Symbol. Aber ich glaube, dass nicht nur die Angst selbst der Grund für deine Bedrückung ist. Du leidest vor allem unter Deinem Umgang mit der Angst. Du hast Angst vor der Angst selbst, weil sie so übermächtig in Dein Leben einfällt.“

Warum denke ich eigentlich immer wieder, ich müsste Gott erst etwas erzählen und könnte dabei etwas beschönigen? Wenn er sagt, dass er mich durch und durch kennt, dann stimmt das zu 100%. Mein Blick senkt sich wieder und ich beginne mich zu erklären.

„Gott, es tut mir so leid. Ich möchte so gerne viel vertrauensvoller und weniger angstvoll sein. Ich wünschte mir, dass die Umstände weniger Einfluss auf mich hätten. Ich sehne mich danach, Frieden zu erleben, der wirklich trägt und ich strecke mich wirklich danach aus. Aber es funktioniert nicht. Sobald etwas an meiner gefühlten Sicherheit rüttelt, hält die Angst Einzug und ich kann nichts dagegen tun. Habe ich etwas nicht richtig verstanden? Bin ich zu schwach? Ist mein Glaube zu klein? Es tut mir wirklich so leid…“

Eine Träne rollt über meine Wange. Gott reicht mir eine dampfende Tasse Tee. Wo kommt die denn her – auf dem Tisch hatte ich bis eben doch nur ein Glas Wasser gesehen?

Im nächsten Moment spüre ich Gottes warme Umarmung und bemerke, dass ich auf seinem Schoß sitze. Schon wieder staune ich. Wie bin ich hier hergekommen? Wir saßen eben doch noch auf zwei Stühlen nebeneinander.

„Mein liebes Kind. Du trägst eine schwere Last – denn Du versucht, Dich selbst zu tragen. In Deinen Sätzen fiel so oft das Wort „ich“. Du gehst mit Dir um, als müsstest Du mich vor Dir schützen, Dich zuerst selbst in den Griff bekommen, bevor Du Dich mir anvertrauen kannst. Du verlangst Dir unglaublich viel ab. Zu viel. Aber Du musst weder Dich noch die Angst bezwingen.“

Die Tränen laufen jetzt ungebremst über mein Gesicht. Der Finger liegt mitten in der Wunde – aber von ihm geht Heilung aus. Das tut unendlich weh, aber es verheißt tiefe Hoffnung!

Gott spricht weiter. „Wenn die schwarze Decke der Angst auf Dir lastet, dann kommt er Dir vor wie eine Trennung zwischen Himmel und Erde. Du fühlst Dich auf Dich selbst gestellt, weil Du nur noch Dich und die Angst sehen kannst. Aber ich verspreche Dir: da ist immer noch mehr.“ Gott reicht mir ein Taschentuch und eine leise Melodie erreicht mein Ohr. Wo nur kamen diese Dinge her? Ich hatte nichts von ihrer Anwesenheit bemerkt. Plötzlich ahne ich etwas…

„Als ich vorhin ankam, dachte ich, Du seist nicht hier. Außerdem war der Tisch sehr lieblos gedeckt. Alles erschien mir so stimmig mit meiner Angst – einsam und kalt. Aber dann warst Du plötzlich doch da. Und es gab Tee, Taschentücher und Musik. Kann es sein, dass…?“

Ich brauche gar nicht weitersprechen, sehe ich doch die Antwort in Gottes Augen. Er war immer da gewesen und er hatte immer so viel Gutes für mich dabei. Aber mein Blick hatte ihn nicht wahrnehmen können, weil meine Gedanken um mich und meine Sorgen kreisten. Ich hatte versucht, alleine mit meiner Angst und Scham umzugehen, um mich Gott nicht so verletzlich und hilfsbedürftig präsentieren zu müssen. Doch in meinem Zerbruch erst konnte ich plötzlich sehen, von wie viel Liebe und Gnade ich getragen war.

„Lass dieses Bild tief in Dein Herz sinken. Es wird immer wieder Momente geben, in denen die Angst schwarz und schwer ist und Du keine Möglichkeit siehst, Dich ihrer zu erwehren. Und genau das ist der Moment, in dem Du Dich fallen lassen darfst – in dieses Bild hinein. Das ändert nicht gleich alles. Das macht Dich nicht zu einem furchtlosen Glaubenshelden, dem niemand etwas anhaben kann. Aber niemand hat gesagt, dass Du das sein musst. Du bist mein geliebtes, schutzbedürftiges, zerbrechliches Kind – das reicht. Das ist genau richtig. Und ich bin immer da.“

Meine Anspannung nimmt ab. In mir wird es leichter. Ich weiß, dass sich das Thema nicht für alle Zeiten geklärt hat. Aber in mir hat sich etwas geklärt. Es fühlt sich an, als hätte jemand die schwarze Decke über mir angehoben und als könnte ich den Himmel wieder sehen. Ein Sonnenstrahl fällt auf mich. Und in diese Wärme und seinen Arm gehüllt trinke ich einen großen Schluck köstlichen Tee.

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Elena Schulte

Elena Schulte

lebt mit ihrer Familie im südlichen Rheinland. Sie ist beim Missions- und Bildungswerk "Neues Leben e.V." angestellt und arbeitet als Speakerin und freie Autorin. Ihr Herz brennt dafür, Frauen herauszufordern, mitten in ihrem Leben Jesus zu begegnen und mutig ihren Platz in seiner Geschichte mit dieser Welt einzunehmen. Dafür nutzt sie ihre Liebe zur Kreativität, zur Schönheit und zum Umgang mit Worten.

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